Die Beteiligung von Patienten an der Prävention nosokomialer Infektionen: große Potenziale und manche Schwierigkeiten bei der direkten Ansprache des medizinischen Personals auf seine Händehygiene durch Patienten – Barbara Kröning / Thomas von Lengerke

Nosokomiale Infektionen stellen eine Belastung für das Gesundheitssystem im Allgemeinen und für Krankenhäuser im Besonderen dar und gefährden nicht zuletzt Gesundheit und Leben der Patienten. Die Psychologen Barbara Kröning und Thomas von Lengerke untersuchen die Möglichkeiten und Probleme der Patientenbeteiligung bei der Verbesserung der Händehygiene des medizinischen Personals. Die Übertragung von Krankheitserregern und, besonders schwierig zu handhaben, multiresistenter Erreger von einem Bereich in einen anderen findet zumeist über die Hände der Ärzte und Pfleger (natürlich auch der Patienten selbst und deren Angehöriger) statt. Die Suche nach langfristig wirksamer Verbesserung der Händehygiene-Compliance (also der praktischen Umsetzung hygienischen Wissens) ist also von immenser Bedeutung für die Gesundheit der Patienten. Das Personal wird bei der Compliance sowohl auf sozialer als auch auf psychischer Ebene beeinflusst. Auf sozialer Ebene geschieht dies durch Vorgesetzte, Patienten und Kollegen. Im Falle der Patienten muss hier das Ziel sein, Hemmschwellen abzubauen und sie zur Beteiligung an der Verbesserung der Händehygiene zu befähigen. Die Hemmschwellen sind bei älteren Patienten, die gleichzeitig das höchste Risiko tragen, an nosokomialen Infektionen zu erkranken, am höchsten. Psychologische Faktoren, die die Händehygiene-Compliance beeinflussen, sind zum einen die Überzeugung der Relevanz und Wirksamkeit der Händehygiene bei der Infektionsprävention, zum anderen aber auch eine Motivationsverstärkung durch Ansprache durch die Patienten. Am Uniklinikum Hannover werden im PSYGIENE-Projekt maßgeschneiderte Maßnahmen für verschiedene Stationen und Bereiche entwickelt, die die Händehygiene verbessern sollen. Die direkte Motivation der Patienten durch entsprechende Kampagnen kann, wie Modellversuche in anderen Ländern gezeigt haben, hier sehr wirksam sein. Zunächst muss aber eine Studie die Hemmschwellen und Bereitschaft der Patienten zur Mittarbeit eruieren.

Patientenbeteiligung stellt einen Faktor dar, der die Händehygiene des Krankenhauspersonals entschieden verbessern kann. Dafür müssen die Patienten aber informiert und motiviert werden. Sie müssen über die Relevanz der Händehygiene für ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer Bescheid wissen. Darüber hinaus müssen sie die Hemmungen abbauen, das vermeintlich besser informierte Personal und die Götter in Weiß auf ihre Händehygiene anzusprechen. Zusätzlich erschwert wird dieses Vorhaben dadurch, dass sich kranke Menschen grundsätzlich in einem sehr verletzlichen und emotional fordernden Zustand befinden.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.

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